
Für Ärzte
– DRN-Autoinflammation –
Interdisziplinariät in der Behandlung Seltener Erkrankungen
Im Referenznetzwerk Autoinflammation (DRNA) bündeln spezialisierte Zentren ihre Expertise in Diagnostik, Therapie und Forschung. Wir beschäftigen uns dabei mit klassischen periodischen Fiebersyndromen wie dem Familiären Mittelmeerfieber (FMF), den Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndromen (CAPS), dem TNF-assoziierten periodischen Syndrom (TRAPS) oder der Mevolatkinase-Defizienz (MKD/HIDS) bis hin zu komplexeren Erkrankungen wie dem Still-Syndrom oder dem sog. VEXAS-Syndrom.
Neben moderner, interdisziplinärer Patientenversorgung treiben wir Forschung und Innovation aktiv voran – durch Register, klinische Studien und engen wissenschaftlichen Austausch im Netzwerk.
Besonders wichtig ist uns der direkte Austausch mit Betroffenen. Deshalb arbeiten wir eng mit Patientenorganisationen wie FMF & AID zusammen. Über solche Netzwerke können sich Patientinnen und Patienten direkt miteinander vernetzen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen – von Betroffenen für Betroffene. So verbinden wir medizinische Expertise, Forschung und gelebte Patientennähe mit dem Ziel, seltene autoinflammatorische Erkrankungen schneller zu erkennen, besser zu verstehen und gezielter zu behandeln.

– Kurzübersicht –
Autoinflammatorische Krankheitsbilder

Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrome (CAPS)
Die Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndrome umfassen verschiedene Verlaufsformen, die von milden Beschwerden bis hin zu schweren Organbeteiligungen reichen. Häufig treten wiederkehrendes oder sogar dauerhaftes Fieber, nesselsuchtartige Hautausschläge, Gelenkbeschwerden und allgemeine Entzündungszeichen auf. In schweren Fällen können auch die Augen, das Innenohr (Schwerhörigkeit) oder das Nervensystem betroffen sein. Die Ursache sind meist Veränderungen im NLRP3-Gen. Ein typischer Auslöser für Schübe ist hier Kälte oder ein abrupter Temperaturwechsel.

Familiäres Mittelmeerfieber (FMF)
Das Familiäre Mittelmeerfieber ist die häufigste monogene (durch einen einzelnen Genfehler verursachte) autoinflammatorische Erkrankung. Typisch sind kurze, wiederkehrende Fieberschübe, die oft von starken Bauch-, Brust- oder Gelenkschmerzen begleitet werden. Ein einzelner Schub dauert meist ein bis drei Tage, dazwischen sind die Betroffenen oft völlig beschwerdefrei. Die Ursache liegt üblicherweise in genetischen Veränderungen im sogenannten MEFV-Gen. Häufige Auslöser (Trigger) für die Schübe können körperliche Anstrengung, Stress oder die Menstruation sein.

Mevalonatkinase-Defizienz (MKD / HIDS)
Die Mevalonatkinase-Defizienz ist eine sehr seltene Stoffwechselerkrankung, die sich durch wiederkehrende Fieberschübe äußert, welche meist schon im frühen Säuglings- oder Kindesalter beginnen. Typische Begleitsymptome sind geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten am Hals, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Flecken auf der Haut. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung im Mevalonat-Stoffwechsel durch Veränderungen im MVK-Gen. Schübe werden hier besonders häufig durch Impfungen oder emotionalen Stress ausgelöst.

PFAPA-Syndrom
Das PFAPA-Syndrom tritt fast ausschließlich im Kindesalter auf. Die Abkürzung steht für die typischen Leitsymptome: periodisches Fieber (Periodic Fever), Aphthen bzw. Mundgeschwüre (Aphthous stomatitis), Halsschmerzen (Pharyngitis) und geschwollene Halslymphknoten (Adenitis). Die Fieberschübe kommen oft mit einer verblüffenden Regelmäßigkeit (z. B. alle 4 Wochen) und klingen dazwischen vollständig ab. Die Ursache ist nicht genetisch bedingt. Das Gute daran: Bei vielen Kindern „verwächst“ die Erkrankung im Laufe der Jahre von ganz alleine.

Still-Syndrom
Die Still-Erkrankung kann sowohl Kinder als auch Erwachsene (Morbus Still des Erwachsenen) betreffen. Typisch sind hohe, oft täglich auftretende Fieberspitzen, ein charakteristischer lachsfarbener Hautausschlag, der meist mit dem Fieber kommt und geht, sowie ausgeprägte Gelenk- und Muskelschmerzen. Im Blut zeigt sich eine massive Entzündungsreaktion. Im Gegensatz zu den anderen Erkrankungen liegt hier kein einzelner Genfehler vor; die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich jedoch um eine komplexe, autoinflammatorische Systemerkrankung.

TNF-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom (TRAPS)
Das TNF-Rezeptor-assoziierte periodische Syndrom ist durch besonders langanhaltende Fieberschübe gekennzeichnet, die oft eine Woche oder sogar mehrere Wochen andauern. Begleitend leiden Betroffene unter starken Muskel- und Bauchschmerzen, Gelenkbeschwerden, Schwellungen im Augenbereich sowie tiefen, wandernden Hautrötungen. Die Ursache liegt in genetischen Veränderungen im TNFRSF1A-Gen.

VEXAS-Syndrom
Das VEXAS-Syndrom (Vacuoles, E1 enzyme, X-linked, Autoinflammatory, Somatic) ist eine erst 2020 beschriebene autoinflammatorische Erkrankung, die überwiegend Männer über 50 Jahre betrifft. Ursache sind erworbene Veränderungen im sog. UBA1-Gen in blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Diese Mutation entsteht erst im Laufe des Lebens, ist daher eine Erkrankung des Erwachsenenalters und wird somit nicht an die Nachkommen weitervererbt. Da das betroffene Gen auf dem X-Chromosom liegt, sind vor allem Männer betroffen.
Klinisch ist das VEXAS-Syndrom durch eine persistierende systemische Entzündung gekennzeichnet. Typische Symptome sind z.B. Fieber, Fatigue, Hautmanifestationen, Chondritis, Arthralgien, pulmonale Infiltrate und Vaskulitiden. Charakteristisch sind außerdem hämatologische Auffälligkeiten wie eine makrozytäre Anämie, weitere Zytopenien oder ein begleitendes myelodysplastisches Syndrom (MDS).
Ausblick und Therapie
– Autoinflammatorische Krankheiten-
Alle genannten Erkrankungen haben gemeinsam, dass sie auf einer Fehlregulation des angeborenen Immunsystems beruhen, sich jedoch in ihrer Ausprägung und Dauer stark unterscheiden.
Eine frühzeitige und exakte Diagnose ist von entscheidender Bedeutung: Wenn die chronische Entzündung über Jahre hinweg unbehandelt bleibt, drohen langfristige Organschäden. Die größte Gefahr ist dabei die sogenannte AA-Amyloidose – eine Erkrankung, bei der sich Entzündungseiweiße in den Organen (besonders in den Nieren) ablagern und deren Funktion zerstören können.
Glücklicherweise lassen sich autoinflammatorische Erkrankungen heute sehr effektiv behandeln. Während klassisches Cortison oft nur kurzfristig hilft, bringen moderne, gezielte Therapien den Durchbruch. Dazu gehören der Wirkstoff Colchicin (besonders beim Familiären Mittelmeerfieber) sowie sogenannte Biologika (wie IL-1-Blocker), welche die entzündlichen Botenstoffe im Körper gezielt ausschalten. Mit der passenden Therapie können die Beschwerden bei den meisten Betroffenen heute fast vollständig kontrolliert und eine normale Lebensqualität sowie Lebenserwartung gesichert werden.
Mehr Informationen
– Wichtige Links rund um Autoinflammation –
SE-Atlas
Der SE-Atlas (Versorgungsatlas für Seltene Erkrankungen) bietet Patientinnen und Patienten eine Übersicht über spezialisierte Versorgungsangebote für seltene Erkrankungen. Dies soll bei der Suche nach Zentren, Fachkliniken, Spezialambulanzen oder auch nach entsprechenden Selbsthilfeorganisationen helfen.
Leitlinien
Diese Seiten sind maßgebliche Fachorganisationen, die medizinische Leitlinien und Empfehlungen für die Rheumatologie veröffentlichen. Wenn Sie Informationen zu rheumatischen Erkrankungen suchen, gehören sie zu den verlässlichsten Quellen.
Datenbank für autoinflammatorische Mutationen
Infevers ist eine international anerkannte, frei zugängliche Datenbank für genetische Varianten bei autoinflammatorischen Erkrankungen. Sie wird von Expertinnen und Experten in Montpellier (Frankreich) gepflegt und dient vor allem der klinischen Genetik, Rheumatologie und Immunologie
